
- Heinz Sielmann - Heinz Sielmann Stiftung
Rheydt ist eine ehemalige Stadt in Nordrhein-Westfalen, die nach der Gebietsreform 1975, ein Stadtteil von Mönchengladbach wurde. Das Rheydter Schloss ist das besterhaltene Renaissance-Schloss am Niederrhein und neben dem Münster, das bedeutendste Baudenkmal Mönchengladbachs. Der Autor Max von der Grün beschreibt in seinem Buch „Die Vorstadtkrokodile“, eine Jugend in niederrheinischen Städten.Teile, des ersten Films "Vorstadtkrokodile" von Max von der Grün, wurden in der Rheydter Dohlerstraße gedreht. Beiträge von Heinz Sielmann und Joseph Beuys machten späteren Generationen verständlich, wie Kinder am Stadtrand von Rheydt als Kind von Flüchtlingen im Schloss oder in der Dohlerstraße von Bonnenbroich oder in Kleve aufwuchsen.
Der Tierfilmer und Naturschützer Heinz Sielmann
Der Tierfilmer Heinz Sielmann wurde am 2. Juni 1917 in Rheydt geboren. Er lebte bis zu seinem siebten Lebensjahr dort. Noch im hohen Alter erinnerte er sich im Gespräch und Austausch mit anderen Naturschützern aus dieser Gegend, gerne an diese unwiederbringliche Zeit der Selbstvergessenheit in der Natur.
Suite101.de: Herr Sielmann, wie hat Ihre rheinländische Herkunft ihr Leben als Tierfilmer beeinflusst?
Heinz Sielmann:„Zu der Zeit als ich geboren wurde war Rheydt noch sehr naturnah. Man kann auch sagen, die Schafe liefen noch über die Straße. In meiner für kleine Kinder erreichbaren Umgebung gab es damals keine Gleichaltrigen. Für mich war die Natur meine erste ständig verfügbare Spielkameradin. Die ersten Monate verbrachte ich im Kinderwagen draußen. Später dehnten sich meine Ausflüge dann bis zum Fluss, der Niers, aus. Das Beobachten von Spinnen, Käfern, Ameisen, dem fangen von Stichlingen, waren damals meine intensive Beschäftigungen.“
Suite101.de: Wie wurden Sie zum Naturschützer?
Heinz Sielmann: „Mein Vater, Dr. Paul Sielmann, arbeitete in Rheydt Bonnenbroich als Chemiker im Kabelwerk. Zu der damaligen Zeit bedeutete Chemie und deren Anwendung Fortschritt. Abluft von Fabriken wurden ungefiltert in die Luft entlassen. In der Gegend der Kabelwerke war die Luftverschmutung oft so stark, dass bei einer bestimmten Wetterlage Wäsche nicht im Freien getrocknet werden konnte, weil sie mit unbestimmbaren schwarzen Rußpartikeln schnell wieder dreckig wurde. Insbesondere die ansässige Textilindustrie mit ihren Farb- und Gerbstoffen trug einen großen Anteil zur Verschmutzung der Niers bei. Die ehemals große Artenvielfalt an Fischen Pflanzen und Kleinlebewesen an der Niers schwand dahin.“
Suite101.de: Wie kamen Sie dann zum Fotografieren und zum Film?
Heinz Sielmann: “Wenn ich unter dem Eindruck meiner Naturerlebnisse nach Hause kam, wollte ich mit meiner Mutter meine Schätze teilen. Es gelang mir aber nie, ihr alles so zu beschreiben, dass sie meine Begeisterung verstehen konnte. Natürlich kommt es vor, dass etliche Tiere mit nach Hause gebracht werden. Die Begeisterung meiner Eltern hielt sich in Grenzen. Als meine Mutter den Konflikt zwischen Gehorsam und Wissbegier realisierte, bekam ich als Expeditionsausrüstung einen Fotoapparat geschenkt. Später wollte ich mehr als nur Bilder; das Leben ließ sich besser mit einem Film einfangen.“
Suite101.de: War es die Liebe zur Natur die sie mit Joseph Beuys, Konrad Lorenz verband?
Heinz Sielmann:„Bei Joseph Beuys aus Kleve und mir spielten die zu verschiedenen Zeiten gemachten Erkundungen an der Niers eine große Rolle für die Themen unseres Lebens. Mit dem Tierverhaltensforscher Konrad Lorenz teile ich die Tierbeobachtungen und die daraus neu gewonnenen Erkenntnisse.“
Sielmanns Kino- und Fernseherfolge:
- Sielmanns erstes Werk "Vögel über Haff und Wiesen" erschien 1938 als Film und 1943 als Buch
- "Lied der Wildbahn"
- "Quick, das Eichhörnchen"
- "Herrscher des Urwalds" (1959) über die Gorillas im Kongo
- "Galápagos" (1962)
- Die TV-Serie "Expeditionen ins Tierreich", 170 Mal vom NDR ausgestrahlt
Expeditionen und Zusammenarbeit
Seine liebste Expedition war 1988 die Forschungsreise zu den Königspinguinen, See-Elefanten und Blauwalen in der Südpolarregion.
Von Anfang der 50er bis in die 90er Jahre gelangen Sielmann sensationelle Aufnahmen von heimischen und exotischen Tieren. Seine Kinofilme wurden weltweit in 25 Sprachen gezeigt.
Sielmann arbeitete mit Verhaltensforschern wie Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeld zusammen.
Lesenswert, ein Artikel: "50 Jahre Expeditionen-ins-Tierreich".
Sielmanns zahlreiche Ehrungen
- Der "Deutsche Filmpreis",
- Die "Goldene Kamera",
- Der "Goldene Bär" und der "Silberne Bär" der Filmfestspiele Berlin
- Der "Bambi"
- Die „Goldene Blume von Rheydt“
Was ist die Sielmann Stiftung?
Weil Sielmanns Sohn Stephan 1978 während einer Expedition starb, wurde das Lebenbenswerk in eine Stiftung umgewandelt. Ein ausschlaggebender Teil der Stiftungsarbeit besteht im Flächenerwerb in Brandenburg, etwa Sielmanns Naturlandschaft Wanninchen, Sielmanns Naaturlandschaft Groß Schauener Seen, Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide. Ähnliche Projekte gibt es auch in Bayern, in Russland (Rybatschi) und Süditalien, das Natur-Erlebniszentrum Gut Herbigshagen und viele mehr.
Trauer und Dankbarkeit
Die Stadt Mönchengladbach trauerte im Jahr 2006 um den bekannte Tierfilmer und Naturschützer der im Alter von 89 Jahren in München, wo er mit seiner Frau Inge lebte, verstarb. Sielmann wurde nahe seiner Stiftung bei Duderstadt, in Südniedersachsen, beigesetzt.
„Durch den Tod von Prof. Heinz Sielmann verliert Mönchengladbach einen treuen Freund und Deutschland einen der bedeutendsten Vorkämpfer für den Umweltschutz“, sagte Oberbürgermeister Norbert Bude.
Quelle: ARD, „Tierfotografie am Beispiel berühmter Fotografen“ Eine Projektarbeit von Lena Hermeling,
angefertigt im Rahmen der Ausbildung zum Assistenten für Foto - Medientechnik, an der Gewerblichen Schule, Bad Saulgau Schuljahr 2005/2006
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