Barock - Weihnachtskrippe in der Hedinger Kirche in Sigmaringen

Hedinger Barock Krippe - Thomas Warnack
Hedinger Barock Krippe - Thomas Warnack
Es wird die kunsthistorisch wertvolle Simultankrippe des Fürstenhauses Hohenzollern-Sigmaringen vorgestellt. Familie Bregenzer gewährt Einblicke beim Aufbau

Fahrten zu Krippenaustellungen sind in der Vorweihnachtszeit beliebt. Eine ganz besonders prächtige Inszenierung der Weihnachtsgeschichte, erwartet Familien und Kunstliebhaber vom 25. Dezember bis 10. Januar 2010, in der Marienkapelle, einem Seitenteil der Grabkirche der Fürstenfamilie Hohenzollern, in der Hedinger Kirche, in Sigmaringen. Es ist eine Simultankrippe, die wegen ihrer Vielfältigkeit, besonders Kinder, in ihren Bann zieht.

Im Jahre 2010 wird zusätzlich, vom 1.12. bis 5.12.2010, zum ersten Mal auf Schloss Sigmaringen, ein von der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern organisiert und betriebener historischer Weihnachtsmarkt stattfinden.

So sehen traditionelle Weihnachtskrippen aus

Mit Krippen drücken Christen, in der Adventszeit, ihre Vorfreude auf die Geburt ihres Erlösers aus. In einer Kulisse aus getrocknetem Moos oder anderen Naturmaterialien, wird die biblische Geschichte nach dem Lukasevangelium in Miniatur dargestellt. Ein Mosaik in Sant'Apollinare Nuovo, in Ravenna, und eines in Santa Maria Maggiore, in Rom belegen, dass es schon um das Jahr 500 Krippen gab. Diese stellten dar, wie die „drei Weisen“ ihre Geschenke dem Gotteskind darbringen. Vor dem 19. Jahrhundert stand in Deutschland, bevor der Weihnachtsbaum mit seiner Beleuchtung aus Kerzen, heute auch Solar, in die Zimmer geholt wurde, die weihnachtliche Krippe im Mittelpunkt der christlichen Weihnachtsfeier in jeder Familie. Ältere Menschen können sich noch gut daran erinnern, dass zum ersten Advent, eine handgeschnitzte Figur eines Ochsen und ein Esels, in einer stallähnlichen Umgebung, aufgestellt wurde. Es folgen, in jeder Adventswoche, Maria und Josef, die Hirten, Schafe und dann der Engel, der die frohe Botschaft von der Geburt des Heilandes verkündigt. Am 24. Dezember wurde eine kleine Futterkrippe aufgestellt in der die Nachbildung des neugeborenen Jesu lag. Bis zum 6. Januar erschienen die heiligen drei Könige an der Krippe. Die Figuren der Krippe sind meist aus geschnitztem Holz oder modelliertem und bemaltem Ton. Weihnachtskrippen können schlicht und einfach, aber auch aus kostbarem Material von Künstlern hergestellt sein. Durch das Wirken von Gustav Wilhelm Jahn, der Krippenfiguren durch Bewohner der Züllchower Anstalten herstellen ließ, fanden Weihnachtskrippe weltweit Bewunderer.

Die Geschichte der Krippen zeigt, dass es viele Arten von Krippen gibt.

  • Weihnachtskrippen
  • Fastenkrippen (Osterkrippen)
  • Krippen mit anderen Darstellungen des Lebens Jesu
  • Simultankrippen, mehrere Darstellungen gleichzeitig
  • Wechselkrippen: verschiedene Szenen sind mit den gleichen Figuren möglich
  • Jahreskrippen in denen das gesamte Kirchenjahr dargestellt wird

Der Brauch, in der Weihnachtszeit Krippen in der Kirche aufzustellen, ist vor allem in Süddeutschland verbreitet. Dort sind Figurenkrippen seit der Barockzeit bekannt. Heimatkrippen sind beliebt, weil Kleidung der Menschen, die Tiere und andere Details die eigene Tradition zeigen.

Die Krippe der Hedinger Kirche, ein barockes Kleinod, in Fürstenbesitz

Die Hedinger Kirche, mit der Fürstlichen Grablege, ist ein Teil des ehemaligen Franziskanerklosters und befindet sich in der Karlsstraße, am südlichen Ortsausgang von Sigmaringen. Bei Krippenkennern und Kunstliebhabern ist die aus 175 Einzelteilen bestehende Sigmaringer Simultankrippe, die aus dem 18. Jahrhundert stammt, überregional bekannt. Auf einer Fläche von sieben Metern in die Tiefe und fünf Metern Breite sind verschiedene, biblisch bedeutsame Geschehnisse arrangiert. Eine besondere Beachtung finden die zwischen 40 und 60 Zentimeter großen Figuren, ihre damalige original barocke zeitgemäße Kleidung aus alten Stoffen und das gesamten, sorgfältig gehütete und jedes Jahr von der Familie Bregenzer gepflegte Zubehör. Neben Damen in pompösen Reifröcken und Hochsteckfrisuren, die den Augen der damaligen fürstlichen Kinder vertraut waren, zeigen sich deren Begleiter, graziös mit gepuderten Perücken. Wie in der Wirklichkeit damals, sind die braven Bürger und das Landvolk in der zeitgenössischen Kleidung, aus Wolle, Hanf und Leinen gekleidet. Einzelne Szenen sind der Kindesmord in Bethlehem und die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige.

Familie Bregenzer leistet mindestens zwei Tage Aufbauarbeit

Die Sigmaringen Familie Bregenzer, hat sich, in zweiter Generation, langjährig um den Aufbau der Krippe verdient gemacht hat. „Auch zu zweit oder zu dritt dauert es mindestens zwei Tage bis wir die Kulisse und die Anfangsszenerie aufgestellt haben“, so Kurt Bregenzer. Die echten Bäume, die wir als Teile der Kulissen verwenden, stammen, so erklärt er stolz, aus dem fürstlichen Forst.“ Sorgfalt ist auch bei der aus Rupfen gefertigten, sehr alten, bemalten Kulissen geboten. Ihr verdankt die im Besitz der Familie Hohenzollern befindliche Krippe ihre einmalige, dreidimensional wirkende Ansicht. Das Gebirge, die Silhouette der Stadt Jerusalem und die Herberge in dem die heilige Familie Zuflucht fand, wurde der Wirklichkeit im Heiligen Land nach modelliert. Insgesamt 64 Krippenfiguren gibt es zu entdecken. Strittig ist die Szene oberhalb der eigentlichen Krippe, wo auf die damalige Tötung der Erstgeborenen durch Soldaten des berittenen König Herodes bildlich hingewiesen wird. Einer der Soldaten trägt eine Uniform wie sie für Angehörige des Kreiskürassier-Regiments Hohenzollern, im 18. Jahrhundert, üblich war.

„Es sind bestimmt nicht mehr alle Figuren aus der Anfangszeit da,“ vermutet Bregenzer. Tatsächlich soll die Krippe im 19. Jahrhundert, bevor sie 1893 erstmals wieder öffentlich gezeigt wurde, ergänzt worden sein.

Die Krippenausstellung ist es täglich von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Führungen sind nach Vereinbarung unter 07571/729-222 und am Wochenende und Feiertags unter 07571/729-230 möglich.

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

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